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Bad Stream – Bad Stream

VÖ: 06.04.2018
Artist: Bad Stream
Titel: Bad Stream
Label: Antime Records
Formate: CD / 2x12“ / DL
Styles: Post-Industrial / Electronica

Bad Stream ist das Projekt und gleichnamige Solo-Debüt-Album eines Gitarristen und seinen Maschinen, die sich zwischen Radiohead, The Notwist und den Nine Inch Nails verlieren, um sich zwischen Ambient, Noise und Drone wiederzufinden. Ein Konzeptalbum über Sucht und Sog des Internets, übers Abtauchen zwischen Bot-Likes und Unfollows, übers Ertrinken in Datenmüll und kaputten Links. Ein Soundtrack über Resignation, Isolation und Zynismus im neoliberalen Cyberspace mit hybriden Songs, für die es keine Grenzen zwischen Rock und Elektronik gibt.

Im Französischen spricht man vom L'appel du vide, wenn die Leere ruft und man einen inneren Drang verspürt, von den Klippen zu springen oder aus dem Fenster, gerade weil es keine schlechtere Idee geben kann. Aber was, wenn nicht das Nichts einen anzieht, sondern viel zu viel? Ein Sog, ein Strudel, ein Loop aus Informationen - relevant sowie redundant, aus Breaking-News und Fake-News, aus Spätkapitalismus-Memes, Skatevideos und unvergessenen Musikclips, aus White-House-Livestreams, endlosen Playlisten, sponsored stories und unbeantworteten Nachrichten, aus Selfies nach dem Aufstehen und davor, aus schürfenden Algorithmen und (Selbst-)Gesprächen, die alle immer anfangen mit: Hörst du mich?

Martin Steer (1986) zieht es seit jeher ins Internet, und er hat aus diesem Sog ein Konzeptalbum gemacht, das genauso unmittelbar und genauso schwer zu greifen ist wie die digitale Welt. Bad Stream ist das Projekt eines Gitarristen und seinen Maschinen, die sich zwischen Radiohead, The Notwist und den Nine Inch Nails verlieren, um sich zwischen Ambient, Noise und Drone wiederzufinden. Es ist der Versuch, die eigene Geschichte, die Entfremdung und die Einsamkeit ins virtuelle Chaos loszulassen, ohne dass sie sich dabei auflösen. Er muss scheitern, um zu gewinnen. Bad Stream ist ein Modus Operandi, ein Soundtrack über Resignation, Isolation und Zynismus im neoliberalen Cyberspace und den merkwürdig betäubenden Trost von Körpern, die in Echtzeit zu Nullen und Einsen zerfließen.

„Boredom and panic, this life is manic“

Selbst wenn ich Gitarre spiele, schaue ich ständig aufs Handy“, sagt Martin Steer, „auch wenn ich gar nicht will. In den 2010er Jahren hat sich so viel verändert in meiner Wahrnehmung wie digitale Technologien und Social Media die Psyche und mein Leben als Musiker beeinflussen. Diese Nervosität will ich mit Bad Stream radikal ausleuchten und die Reizüberflutung als Tool für die Entwicklung einer eigenen, progressiven musikalischen Sprache nutzen.“

Sein halbes Leben lang schon schreibt und arrangiert er hybride Songs, die über die Grenzen zwischen Rock und Elektronik, pre und post Internet fließen und dabei verwirbeln, was ihn geprägt hat. In Bad Stream fließt alles zusammen. Sieben Jahre Leben in Berlin und nirgends, als Gründungsmitglied von Frittenbude in den Charts und auf Tour über sämtliche Festivalbühnen, immer mit dem Laptop im Gepäck und der Gitarre direkt daneben, in Mexiko und Nepal, vor allem aber in Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln. Bad Stream ist ein Berlinalbum, mit echtem Schlagzeug und Drumcomputer, mit Shoegaze Gitarren, Acid Baselines, Piano, Smartphone Synths, Geigen und Field Recordings aus dem Darknet.

Sein eigenes Ding hat er schon damals mit Pandoras.Box gemacht, 2011 mit ANTIME sogar ein eigenes Label und DIY-Netzwerk für elektronische Musik gegründet und damit über 20 Releases veröffentlicht und dutzende Labelnächte veranstaltet, in denen sich Gegensätze anziehen, Übergänge auflösen und Inspirationen verketten.

Er hat stapelweise Bücher gelesen, Zitate aus dem Internet abgeschrieben, seinen eigenen digitalen Schatten beobachtet und daraus ein Psychogramm gebastelt. „Die fünfjährige Entstehungszeit war ein bisschen wie Archäologie“, sagt er, „in einem aufreibenden Freilegungsprozess, ständig auf der Suche nach Balance. Ein Wechselspiel aus Overload und Innehalten, Langeweile und Panik. Deshalb passt der Name auch - Bad Stream.“

Zusammengehalten wird es vom experimentellen Gitarrensound, dem analogen Tempest Drumsynth und seiner Stimme, die in einer hoffnungslosen Tonalität über Systeme, Technologien, Menschen, Drogen, Zukunft und sich selbst dazwischen nachdenkt:

„My sense of future, down on this planet. Is it the real thing - I hate my feeling.“

Bad Stream ist ein Album übers Abtauchen zwischen Bot-Likes und Unfollows, übers Ertrinken in Datenmüll und kaputten Links und darüber, aufzutauchen mit leerem Akku und nicht sicher sagen zu können, welcher Teil ein Traum war und ob wir die Kontrolle nicht schon längst abgegeben haben. „Das Internet hat seine Unschuld verloren“, sagt Martin Steer, bevor er sich kopfüber hineinstürzt. „Ich versuche nicht mehr soviel Zeit damit zu verschwenden.“

Die elf Stücke des Debüt-Albums, dessen Singles Already Dark, Sex Cries, Megafauna und Nervous Love heißen, handeln in den tiefschichtigen, meist metamorphen Arrangements sowie wie in den kunstvollen Musikvideos von der ultimativen Zerrissenheit eines Menschen und seinen Bildschirmen.

Already Dark, die erste Single und das zentrale Stück des Albums ist eine düstere, siebenminütige Post-Industrial Hymne, die alle Schlüsselelemente von Martin Steers Sound vereint. Sie behandelt das fragile Selbst in einer sich beschleunigenden Welt aus Face Recognition, Big Data, Artensterben, Mind Hacks und Human Uploads. Eine zeitlose Psycho-Collage zu einer Zeit, in der sich alles zu überhitzen scheint - der digitale Kapitalismus, Polare Eiskappen, hypertransparente Individuen betäubt von Systemen und die totale Entfremdung durch künstliche Intelligenz. Ein dystopischer Soundtrack zu einem posthumanen Übergang hin zu digitaler Versklavung im Capitalocene. Dazwischen Martin Steers intim resignierende Stimme, die Zeilen singt wie:

„Skip to an Ending. Are you pretending? Yes you do. Life is not streaming. Can I delete it? Forevermore“

Der maschinelle Beat pulsiert, komplexe Klangstrukturen verdichten sich, das Konstrukt schwillt an und implodiert in einem brachialen Noise-Gewitter. In seiner eklektischen und transformativen Gesamtheit definiert Already Dark die Haupt-Koordinaten von Bad Streams Vision von zukunftsgerichteten, progressiven Songwriting und Sounddesign.

Aber Martin Steer hängt da nicht alleine drin. Er hat Freunde, die seine Empfindungen teilen und auf dem Album spielen und lauter Sprachen sprechen, die für das Artwork 3D Scans von Ihm machen und komplexe Musikvideos und Software für die Live-Visuals programmiert haben, die dafür sorgen, dass niemand dem Bad Stream entkommt und das Projekt sich im ständigen Fluss mit neuen Verbindungen und nie im Stillstand begreift. „Es soll wie das Internet sein, das die Leute hineinzieht und nicht mehr entkommen lässt“, sagt er. Die Kommunikation ist gestört, aber es ist die einzige, die wir haben. Im Sog fließt alles zusammen: Hörst du mich?


Tourtermine:

06.04.18 Berlin – Urban Spree (Record Release Party)

weitere Tourtermine sind bereits in Planung


Links:

http://bad-stream.com/

https://www.facebook.com/badstream/

https://www.instagram.com/bad_stream/

http://www.antime.de/

https://soundcloud.com/antime_music

Cover

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